Ich wärme meine Morgenmüdigkeit am Kaffeebecher. Experimentiere lustlos mit Belichtungszeit und Kameraherumgeschwenke. In der Paulownie sitzen Zaunkönig und Rotkehlchen. Ich habe sie noch nie vorher so nah beieinander gesehen. Eine Assel klammert sich an die Spitze des japanischen Schachtelhalms. Was mag sie bewogen haben, so weit von ihren bodenständigen Gewohnheiten wegzuklettern…

Immer noch sind Wespen aktiv. Der Holzklotz, auf dem ich sonst Kaminholz hackte und in dem die Wespen in diesem Jahr ihr Nest haben, ist wahrscheinlich ein von Frau Trude verhexter Imker. Die Märchenlektüre vermittelt einem doch wichtige Erkenntnisse. Unklar ist mir indes, wie der Imker in meinen Garten kam. Aber der Holzklotz war ja schon da, als ich hier einzog, wer weiß, wer sich hier so alles herumgetrieben hat.

Hinten am Teich fand ich mal einen Unterkiefer mit Allesfressergebiss, aber seinerzeit las ich noch keine Märchen und deshalb habe ich nicht hingehört, ob es ein singendes Knöchelchen war. Ganz gut vielleicht, denn sonst hätte es vielleicht gesungen, dass etwas unter dem Teich vergraben ist und dass ich es ausgraben soll und das wäre eine Riesenplackerei geworden. Und dann hätte da unter dem Teich wohlmöglich wieder so ein Königssohn gesessen, diese verwunschenen Königssöhne scheinen ja an den unmöglichsten Orten herumzusitzen und auf Erlösung zu warten. Nein nein, sollte ich wieder einen Knochen finden, werde ich sofort meinen Gehörschutz aufsetzen um nicht zu hören, was das Knöchelchen singt. Ich muss unbedingt noch nach dem Königssohn im Kamin schauen…