früh am morgen. die sonne scheint. ich sitze auf der gartenbank unter dem haselstrauch und trinke meinen morgenkaffee. zum ersten mal in diesem jahr. ich atme tief durch. die kühle frische luft tut meiner lunge und den bronchien gut. fünf durchhustete wochen liegen hinter mir. ich werde wieder gesund.

der zaunkönig kommt angeflogen und wippt auf einem kleinen zweig. guten morgen, sage ich. guten morgen, sagt er. bist du noch immer krankgeschrieben, fragt er. jetzt nicht mehr, antworte ich, aber ich arbeite im homeoffice. wegen corona. der zaunkönig legt seinen kopf schief. ist homeoffice sowas wie nest, fragt er. ja, sage ich, soinetwa. ich fange jetzt mit dem nestbau an, sagt er. ich erzähle ihm, dass ich sein altes nest aufgehoben habe. das er auf dem balken unter dem dachvorsprung gebaut hatte und das nach einem sturm heruntergefallen war. fünf kleine majestäten hatte er darin großgezogen. ich frage ihn, ob ich ihm erzählen darf, was mich bewegt momentan. klar, sagt er. aber es ist viel, sage ich, sehr viel. und es fühlt sich scheisse an. egal, sagt er, erzähl mal und ich singe dazu für dich. ich frage ihn dann auch nach etwas, wie er das verstehen würde. ob ich das falsch verstanden habe. nein, sagt er, du hast das ganz richtig verstanden. aber manchmal möchten die, die etwas sagen, es nachher nicht wahrhaben. und dann versuchen sie einem einzureden, man hätte sie falsch verstanden. weil sie sich selbst etwas nicht eingestehen wollen. du fühlst aber die wahrheit. nur…, sagt er und legt wieder den kopf schief, … hilft dir das dann nicht viel. ja, sage ich. ja, sagt er.

ich frage ihn, ob er noch ein bisschen für mich singen kann. klar, sagt er, und fliegt in den apfelbaum und singt. und singt und singt. das hilft mir.