Sonntag mit Dauerregen. Den Vormittag habe ich in Kälte und Nässe verbracht, nach einer Aufwärmphase zuhause packe ich trotzdem die Kamera (die „kleine“ nur wegen des Regens) in den Rucksack und mache mich nochmal auf den Weg. Um ein neues Gebiet fotografisch zu erkunden ist es mir schon zu spät, zu dunkel auch an diesem regendüsteren Tag. Also gehe ich mir vertraute Wege.

Auf einem Feld zeigen sich gespenstische Gestalten im Nebel…

Ich laufe ins Moor.

Tropfenfotos würden mich langweilen, hatte ich noch vor wenigen Stunden in einer Unterhaltung verkündet – nun mache ich doch ein paar:

Tropfen-Models gibt es genug – was hier auf dem Weg wie Reif oder Schnee aussieht…

… sind Tropfen im Gras – Millionen kleiner Perlen:

Eine zeitlang folge ich einem Wildwechselpfad. Bis zu einer Stelle, an der besonders viele Preisel- und Blaubeeren wachsen. Und dann habe ich das Gefühl, dass ich diesen Bereich des Moores wieder ganz sich selbst überlassen sollte. Ich glaube, es will allein sein, ohne Menschen. Ich drehe mich um und sehe, dass das Moor mich aus vielen dunklen Augen freundlich anlächelt.

Zurück auf dem ursprünglichen Weg fokussiere ich mich auf die Borke der Bäume. Genieße die Ästhetik der Strukturen und Farben. Es wird dunkel und die Aufnahmen werden unscharf und nehmen für mich so auch die Stimmung um mich herum auf.

Dann nochmal Tropfen – vielmehr ihre Ringspuren im Wasser:

Ich begebe mich auf den Rückweg. Höre Vogelstimmen. Viele Vogelstimmen. Ein Schwarm Stare verteilt sich auf drei Bäume. Ich denke daran, wie groß doch die Vogelschwärme in meiner Kindheit waren. Heute kommt mir schon dieser vergleichsweise kleine Schwarm sehr groß vor.

Dann fliegen sie auf… Lange sehe ich ihrer Flugkunst zu…

Und ihre Stimmen begleiten mich noch lange auf meinem Weg nach Hause.