Man kann ja nicht den ganzen Tag frapalymo-en und so beschließe ich, mir an diesem Abend mal ganz bewusst Gedanken über die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu machen.

Bevor ich mich ans Ganzbewusstdenken begebe, sollte ich erst noch dem geliebten Katertier sein Medikament verabreichen. Denn ich möchte ja nicht in einem bahnbrechenden Erkenntnisprozess durch den Gedanken unterbrochen werden „ach, nee, ja, der Kater muss doch noch seine Tablette haben“.

Also zerteile ich die Tablette in tarnfähige Teile, die wiederum ich in kleinen Stücken eines Knabbersticks verberge.  Und während ich liebevoll ein Stückchen vom Knabberstick abwurschtele um die Tablettentarnung vorzunehmen (wohlgemerkt: nicht *abbreche*!) – Geschmacksrichtung „Atemfrische“, naja, ich finde, es riecht eher… ach, mir fällt kein Attribut dafür ein, es gibt vermutlich auch keines dafür – , frage ich mich: Wieso heißen diese Dinger eigentlich Knabbersticks? Die sind doch weich (weshalb man sie – siehe oben – auch nicht abbricht, sondern so irgendwie abwurschtelt), nichts zum Knabbern. Da knackt und knurpselt nichts, wenn das Katertier sie vertilgt, da wird gekaut und geschmatzt wie bei alterszähem Weingummi.

Warum nennt das Katzenknabberstickproduktmanagement sein Produkt Knabberstick? Wo es doch realonomatopoetisch Schmatzstick heißen müsste?

Weil der im Regelfalle menschliche Käufer von Katzenknabbersticks mit Knabbern Behagliches assoziiert? Weil Schmatzen unfein ist und Knabbern schon vom Klang her an gepflegtes Essverhalten mit abgespreiztem kleinem Finger denken lässt?

Oder weil Schmatzstick sich etwas schwierig aussprechen lässt?

Ich versuche, zehnmal hintereinander laut „Schmatzstick“ zu sagen und erst ab dem vierten Mal geht es wirklich flüssig, ab dem achten Versuch wird es dann – irgendwie schmatzig…

So werden wir Menschen durch Sprache manipuliert, ein wichtiges Thema. Darüber könnte ich jetzt noch lange nachdenken, über Sprachmanipulation und wenn ich schon dabei bin auch über Automotorenmanipulation und ihre Auswirkung auf nationale Volkwirtschaften und so.

Ich schnappe mir aber lieber eine Tüte Weingummi und Gunnar Ekelöfs „Dikter“. Gedichte von Ekelöf  zu lesen, ist ein wichtiges Ding in meinem Leben. Und ich bin sicher, Ekelöf könnte darüber lächeln, wenn ich dabei ein bisschen Weingummi schmatze.

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